Radreise Rumänien Siebenbürgen 2015
Datum Route Kilometer Höhenmeter
09.06.2015 Fluganreise Dortmund - Sibiu    
10.06.2015

10.6. Sibiu – Cornatal – Nocrich – Aguita – Chirpar -Marpod Nocrich (80km)

 

Gutes Frühstücksbuffet im Casa Luxemburg, Mottorradfahrertruppe aus Sachsen am Nebentisch, gegen 8Uhr in östlicher Richtung aus der Stadt raus, vorbei an den rauchenden Schloten eines Industriegebietes. Die Straße steigt jetzt kontinuierlich an und es geht durch eine ausgedehnte Weidelandschaft, Gated Community mit dem Namen ' Bavaria City', hochmoderne Einfamilienhäuser nach deutschem Vorbild. Ausblick auf die Schneebedeckten Hochkarpaten. Schafherden mit Hirten auf den Weiden. Transhumanz wie im Lehrbuch! Es geht durch das kleine Dorf Cornatal, schöne bunte Fassaden der alten Sachsenhäuser säumen die Straßen, bunte pastellfarbene Holztore bilden Kontraste zu den Terrakottafarbenen Dächern. Einige Fassaden zeigen schon starke Alterserscheinungen. In Altina verlasse ich die Hauptstrasse und fahre links ab auf einen kleinen Schotterweg. Es geht hoch zu einer schönen evangelischen Holzkirche. Die Zeit scheint hier seit 100 Jahren still zu stehen. Ich komme mir vor wie in einem riesigen Freilichtmuseum. Leute auf Pferdekutschen, Feldarbeiter mit Spitzhacke im Feld. Auffallend viele alte Menschen und Zigeuner in den Dörfern. Gegen 13Uhr in Aguita, über das kleine Rinnsal zur alten Kirchenburg. Direkt daneben spielen die Kinder auf dem Schulhof Fussball. Mittagessen in einer einfachen aber guten Pizzeria, viele der Schulkinder essen auch hier. Nach einem guten Cappuchino weiter in Richtung Chirpar. Straßenqualität lässt deutlich nach, grober Schotter. Schilder zeigen EU- Fördermaßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums. Wunderschöne kleine aber auch viele verlassene historische Dörfer. Schilder der Regierung weisen die Bewohner der Dörfer darauf hin, dass sie ihre Häuser bitte passend zum historischen Ortsbild sanieren sollen. Finanzielle Hilfen gibt es aber anscheinend nicht! Weiter über einen imposanten Höhenweg mit beeindruckenden Ausblicken über die weite grüne Hügellandcshaft, kurzes Gespräch mit zwei angetrunkenen Schäfern. Gegen 18 Uhr erreiche ich dann zum zweiten Mal heute, Nocrich und bekomme eine Unterkunft im Pfadfinderheim direkt hinter der evangelischen Kirche. Das schön restaurierte orangefarbene Sachsenhaus bietet ausreichend Unterkunft für ca. 20 Personen. Adrian, ein Volontär empfängt mich freundlich. Abends koche ich mir ein paar Nudeln in der Gemeinschaftsküche und lerne die anderen Volontäre des Projekts kennen. Sie erzählen mir von ihren Erfahrungen und ihrem Leben in diesem Dorf. Mittlerweile kennen sie viele der Dorfbewohner und kennen auch die schlechten Lebensbedingungen der Ärmsten.

80km  
11.06.2015

Nocrich – Hosman – Nucet- Avrig- Racovita – Sadu – Sibiu (75km)

 

Zum Frühstück brate ich mir ein großes Omelett mit Tomaten und Schinken. Die Hauskatze gibt mir kaum Bewegungsraum und ich greife zur nächstbesten Wasserflasche um sie nass zu spritzen. Leider bemerke ich erst später, dass es sich doch nicht um Wasser, sondern um selbst gebrannten Schnaps handelt. Um 8 Uhr verabschiede ich mich von den Volontären und verlasse das Dorf und radle zurück zum Abzweig Richtung Hosman. Die alte Kirchenburg thront über dem kleinen Dorf. Leider ist die Tür zur Burg verrammelt und ich finde keinerlei Hinweis, wen ich ansprechen könnte. Hinter dem Dorf lässt die Straßenqualität der 45 deutlich nach. Der erste Teilabschnitt ist stark ausgewaschen, der zweite ist stark überwachsen. Wenige hundert Meter weiter finde ich mich im hüfthohen Grass wieder. Wo soll hier bitte ein Weg sein?! Der GPS-Sender piept vor sich hin und signalisiert mir, dass ich nicht mehr auf der richtigen Route sei! Was für eine Erkenntnis!Glücklicherweise habe ich ja ein gutes Mountainbike mit grobem Profil. Also einfach weiter querfeldein. Rechts von mir weite blühende Mohnfelder. Der Singletrail steigt stark an und ich erreiche die winzige Ortschaft Nucet. Plötzlich rennt ein kläffender Hund auf mich zu. Ich halte an und werfe einige Steine nach ihm bis er das Weite sucht. Mistvieh! In dem alten Sachsendorf scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Einige der alten Dächer biegen sich heftigst durch und die Fassadenfarben sind nur noch rudimentär zu erahnen. Hinter dem Dorf plötzlich eine wunderbare neue Asphaltstraße, der frische Asphalt dampft noch und die Arbeiter winken freundlich. Eine wunderbare Höhenstraße ermöglicht einen weit schweifenden Blick in die Hügellandschaft. Schafherden in der Ferne. Leuchtendes grün. In steilen Kehren geht es runter nach Avrig. Dort kehre ich zum Mittagessen in das schöne Barocke Schlosscafe ein. Unter einer ausladenden Kiefer finde ich ein schattiges Plätzchen und die Bedingung spricht perfektes Deutsch. Eiskalte Zitronenlimonade mit Tagliatelle mit frischen Champignons. Zum Nachtisch herrliche Blaubeerpfannkuchen. Sie erklärt mir, dass die Blaubeeren aus den Wäldern kommen und die Zigeuner sie pflücken würden. Gegen 14Uhr sitze ich wieder auf dem Rad und das Thermometer zeigt 35Grad an. Es geht weiter auf der 105A in Richtung Marsa. Die Straße bietet jetzt beeindruckende Ausblicke auf die Karpatenausläufer. Alles leuchtet in einem satten Grün, Hinter Racovita lasse ich mich im Schatten eines Baumes nieder und lausche dem Plätschern des naheliegenden Flusses,Wunderbar!!!, Hinter Talmaciu steigt die Strasse wieder leicht an und der Asphalt scheint zu glühen. In Sadu falle ich in ein Minimarket ein und kaufe Wasser und Eis. Erschöpft lasse ich mich auf einer Bank nahe des Friedhofs nieder und beobachte die Kutschen mit aufgestapelten Heuballen. In Cisnadie besichtige ich die eindruckvolle und gut erhaltene Kirchenburg und klettere auf den Turm hinauf. Anschließend geht es auf der Schnellstraße zurück nach Sibiu. Dort lasse ich den Abend auf dem Placa Mica ausklingen.

75km  
12.06.2015 Zutransfer Sibiu – Shischora(Stadtbesichtigung) – Transfer Prod    
13.06.2015 13.6 Prod – Senerus _ Viisoara – Prod (70km)
Gemeinsames Frühstück mit Toni (Löteinprofessor aus Kansas), Jouslin (seine Frau, Middle School Teacher), Pete (Rentner aus York), Tobias (Kunsttherapeut aus Norfolk) und Mike (Amerikaner aus Colorado, Autor des Buches '101 Parties across America'). Vor dem Frühstück gibt Jouslin eine kostenlose Yogastunde. Um 10 Uhr verlassen wir das Dorf. Die Strecke verläuft entlang des Waldrandes. Leuchtend grüne alte Eichenwälder. Pferdekutschen ziehen vorbei. Die Sonne brennt. Gegen 11 Uhr erreichen wir Dumbraveni und besichtigen die alte katholisch- armenische Basilika . Ich verlasse die Stadt um den steigenden Temperaturen zu entkommen. Ein kleiner Junge auf dem Fahrrad begleitet mich auf einer Landstraße. Es geht vorbei an den einfachen Behausungen der ärmeren Bevölkerung.Über einige steile Kehren steigt die Straße imposant an und es folgt eine rauschende Abfahrt nach Viisoara. Pastellfarbene Fassaden der alten Sachsenhäuser leuchten im Sonnenlicht. Zwei ältere Damen vor einem Tor winken mir freundlich zu und ich setze mich für eine Weile zu ihnen und wir beobachten gemeinsam das Dorfleben. Es herrscht absolute Stille. Kein Motorengeräusch, kein Flugzeuggeräusch weit und breit! Nur das Brummen der Fliegen ist zu hören. Kurz hinter der kleinen evangelischen Kirche winkt mir eine ältere Dame freundlich zu und sie führt mich auf einen Hof, wo ich die andere Reisegruppe treffe. Die Gastgeberin zeigt uns ihren schönen Hof. Die Hühner laufen wild umher und die alte Scheune ist voll mit alten Möbel und Gerätschaften. Anschließend bittet sie uns zu Tisch und serviert eine Art Salatsuppe. Ihr Mann serviert uns dazu selbst gebrannten Kirschlikör und stark säuerlichen Weisswein. Das Hauptgericht besteht aus einem Kartoffeleintopf mit Lammfleisch. Nach der Siesta zurück aufs Rad. Kurz hinter Zagar geht es rechts ab auf eine steile Schotterpiste, diese steigt stark an. Unter einem Apfelbaum mache ich einen kurzen Mittagsschlaf. Danach weiter aufwärts bis ich die Höhenstrasse erreiche. Schöner Ausblick in das enge leuchtend grüne Tal und die Kirchenburg von Senereus. Am Eingang treffe ich wieder auf die Anderen und wir betreten das alte Holztor. Über alte Eichenleitern geht es empor auf den Turm und es bietet sich uns ein imposanter Ausblick über das Tal und die Dachlandschaft des Ortes. Die Hitze ist mittlerweile kaum noch auszuhalten und ich gehe auf die Suche nach Eis. In einem winzigen Dorfladen werde ich fündig und setze mich auf den kleinen Dorfplatz. Eine Gruppe Kinder beobachtet mich höchst amüsiert. Danach wieder aufs Rad. Leider verpasse ich den unscheinbaren Abzweig am Ende des Dorfes und folge weiter dem kontinuierlich schlechter werdenden Schotterweg. Dieser verwandelt sich innerhalb weniger Kilometer zu einem abenteuerlichen Singletrail. Das GPS-Gerät piept vor sich hin und signalisiert, dass es mal wieder kein Signal bekommt. Es geht vorbei an riesigen Planen-LKWs die mit Holz beladen werden. Das frisch geschlagene Holz wird einfach den steilen Abhang hinunter gezehrt und dann direkt neben dem LKW zersägt. Handelt es sich hierbei um einen der vielen illegalen Holztransporte?! Wenn dies so weitergeht, dann wird bald nicht mehr viel von diesem einmaligen alten Eichenwäldern übrig sein. In Gedanken versunken komme ich an einer großen Schafherde vorbei und dann passiert es. Drei große Hirtenhunde stürmen auf mich zu und aufgrund des schlechten Untergrundes bleibt mir auch keine andere Möglichkeit als anzuhalten. Die riesigen Tiere bellen mich laut an und kommen bedrohlich nahe. Ich befolge Miceas Ratschlag und verhalte mich ruhig und bleibe stehts hinter meinem Fahrradrahmen. Nach gefühlten 45 Minuten taucht der Schäfer am Waldrand auf. In aller Ruhe kommt er zu mir gelaufen und ruft seine Hunde zurück. In seiner rechten Hand hält er einen Jutesack mit ca. 12 kleinen neugeborenen Hundpuppies. Endlich wieder auf dem Rad. Leider verschwindet der Singletrail allmählich in einem Wirrwar von winzigen stark überwachsenen Waldpfaden. Also nichts wie zurück. Nach ca. 500 Meter macht es 'Päng' und der Hinterreifen ist platt. 'Das gibt es doch wohl nicht!' Schnell ist der Schlauch getauscht und es geht weiter. Nach ca. 8 km erreiche ich den verpassten Abzweig und biege diesmal korrekt ab. Der kleine Schotterweg steigt jetzt steil an und verläuft durch sehr schönen Eichenwald. An einer Lichtung wird Holzkohle produziert. Die Arbeiter sind komplett vom pechschwarzen Kohlenstaub bedeckt. Es folgt eine beeindruckende Abfahrt nach Prod, dort werde ich schon ganz besorgt von den Anderen erwartet. Zum Abendessen gibt wunderbare Spätzle mit frischen Champignons
70  
14.06.2015

Prod - Danes- Breite Reserve – Stovenii – Danes -Prod (50km)


Um 8 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch und verspeisen leckeres French Toast. Jouslin erklärt uns ihr weizenloses, laktosefreies und asketisches Ernährungskonzept. Guten Appetit! Gegen 10 Uhr radeln wir auf kleinen Sträßchen durch das Dorf und gelangen auf die Hauptstrasse nach Danes. Nach einigen Kilometern zweigt rechter Hand ein kleiner Schotterweg ab. Nach 30 Minuten zäher Steigung erreichen wir ein ausgedehntes Hochplateau gespickt mit riesigen knorrigen 500 Jahre alten Eichen. Andächtig umschreiten wir die ausladenden Riesenbäume und posieren für ein Gruppenfoto. Plötzlich mal wieder ein Platten am Hinterrad. Diesmal trifft es Mircea. Ein Schäfer treibt seine Schafherde durch die lichte Wiesenlandschaft. Viele der Schafe suchen den kühlen Schatten der Eichen. Der Weg führt uns weiter in die tiefen der dunkelgrünen Laubwälder. Immer wieder stoßen wir auf Lichtungen. Sonnenstrahlen lassen die Grüntöne erstrahlen. Nach etwa einer Stunde geht es plötzlich rechts quer durch den Wald steil abwärts. Wir erreichen eine Lichtung an einem Steilhang. Spektakuläre Ausblicke auf die Hügellandschaft Siebenbürgens. Wir legen uns in den Schatten der Bäume und genießen leckere Walnüsse. Die beiden Briten philosophieren über die etymologische Bedeutung einiger englischer Sprichwörter ('Giving up the bucket', 'Lazy as Larry') Nach dieser sprachwissenschaftlichen Exkursion geht es steil abwärts über buckelige Singletrails. Das hohe Gras streift unsere Beine im Fahrtwind. Die Sonne brennt und Schweiß überströmt erreichen wir ein kleines Dorf, wo wir uns auf die Suche nach Wasser begeben. Leider macht der kleine Dorfbrunnen keinen guten Eindruck auf uns und wir entscheiden uns ohne nachfüllen weiter zu fahren. Weiter bergauf auf einer groben Schotterpiste rüber ins nächste Tal. Rauschende Abfahrt nach Stovenii. Vollkommen dehydriert fallen wir in den kleinen Dorfladen ein und kaufen Wasser und Eis. Im Anschluss besuchen wir eine schöne aber zum Teil noch in Restauration befindliche ungarische Burganlage. Ich lege mich in den schattigen Innenhof auf die kühle Wiese. Intensivierter Geruch eines Sommertages mit alten Holznuancen. Nach der Besichtigung geht es auf einer guten Asphaltstraße auf einen Reiterhof in Danes. Es gibt rumänische Bohnensuppe im ausgehöhlten Brotleib. Zurück nach Prod und eine kalte Dusche. Abends gibt es ein heftiges Gewitter mit extremen Niederschlägen. Wir verbringen den Abend im Aufenthaltsraum der Kirchengemeinde und essen Pommes, Pizza und Nudeln. Der Regen prasselt gegen die Scheiben und wir betrachten die massive Eichenwohnwand des Aufenthaltsraumes. 80Er Jahre Nostalgie!

50km  
15.06.2015

Prod- Cospa Mare – Mosna (45km)


Nach einem nahrhaften Müslifrühstück schwingen wir uns gegen 10Uhr auf die Räder und esnieselt noch leicht. Nach den extremen Temperaturen der letzten Tagen eine sehr angenehme Erfrischung. Die Strecke verläuft durch ein schönes grünes Tal. Gegen 11Uhr erreichen wir das winzige Sachsendorf Cospa Mare. Wir besuchen einen alten Bauernhof einer Familie. Schweine und Hühner laufen über das Hofgelände. Zur Begrüßung gibt es einen kräftigen selbstgebrauten Walnussschnaps. Wir lassen die Räder zurück und laufen über eine leuchtende Wildblumenwiese den Hang hinauf. Oben auf der Kuppe bietet sich uns ein phänomenaler Ausblick auf die eindrucksvolle Kirchenburganlage und die Dachlandschaft der Sachsenhäuser. Wir genießen ein traumhaftes Picknick mit selbstgemachten Marmeladen und selbtgebackenem Brot. Die Blaubeermarmeladen sind ein Gedicht in Rumänien!!! Im Anschluss wieder zurück ins Dorf, wo wir unsere Radtour fortsetzen. Es geht wieder steil aufwärts und nach etwa einer Stunde erreichen wir Bartan und dürfen nach zähen Verhandlungen unsere Räder im Innenhof des Rathauses abstellen. Zu Fuß steigen wir hoch zur imposanten Kirchenburg und lauschen einem schönen Orgelkonzert. Danach besteigen wir wieder die Räder und genießen die rauschende Abfahrt nach Mosna. Direkt neben der gut erhaltenen Kirchenburg werden wir von einer deutsch sprechenden älteren Dame empfangen. Sie führt uns in die geräumigen Räumlichkeiten des Kirchenheimes. Jeder von uns bekommt ein Zimmer mit acht Betten. (Deckenhöhe ca. 5Meter!!) Im Anschluss trinken wir ein erfrischendes Bier vor dem Minimarkt und laufen dann zu dem Hof von Willy. Er hat einige Zeit in Deutschland gelebt um auf dem Bau zu arbeiten. Nach einiger Zeit wurde ihm dies jedoch zu viel und er wollte sein Leben entschleunigen und zurück auf das Land ziehen. Daher hat er diesen alten Hof gekauft und ihn in einen Biohof umgewandelt. Seine Tochter serviert uns ein wunderschön dekoriertes (verziert mit bunte Wildblüten der Region) Abendessen. Willy erzählt, dass vor zwei Wochen eine Gruppe von Fotografen des National Geographic zu Besuch waren um die Tischdekoration zu fotografieren. Es gibt leckeren selbstgemachten Käse. Als Hauptgericht gibt es Kartoffeln mit Roulade. Zum Nachtisch serviert man uns Vanilleeis mit frischen Himbeeren. Während des Essens unterhalte ich mich mit einem 17 jährigen Hofangestellten, der mir seine Lebensgeschichte erzählt. Er kommt aus Portugal und ist dort in seiner Jugend auf die schiefe Bahn geraten. Er verbrachte einige Monate in geschlossenen Anstalten und in einer Art Bootcamp. Seit 1,5 Jahren arbeitet er jetzt bei Willy auf dem Hof und er sagt, dass ihm die harte körperliche Arbeit in der Natur sehr viel Freude bringen würde. Trotzdem hat er den großen Traum irgendwann mal als Sozialarbeiter arbeiten zu können.

45km  
16.06.2015 16.06.2015 Mosna – Pilisor – Barghis – Aguita- Stejarisu (45km)

Gemeinsames Frühstück in den Gemeinschaftsräumen des Kirchenheimes. Mittlerweile wirklich gute Stimmung in der Reisegruppe. Im Anschluss besichtigen wir die interessante Kirchenanlage und das völkerkundliche Museum. Das Museum gibt einen guten Einblick über das Land und Dorfleben der Sachsen. Die Kirche strahlt eine unglaublich intensive historische Atmosphäre aus. Alles riecht nach altem Holz und man kann sich gut vorstellen, wie die Sachsen hier vor 60 Jahren Sonntags in der Kirche standen. Schnell noch die steile Wendeltreppe hoch zum Turm! Was für ein Ausblick! Gegen 10.30 Uhr verlassen wir die Kirche sitzen auf dem Rad. Nach 200 Meter der nächste Platten. Diesmal trifft es mal wieder mich! Ich träume von guten Schwalbereifen! Nach einem kurzen Boxenstop geht es die steile Abfahrt hinauf, die wir gestern Abend hinuntergefahren sind. Auf dem Scheittelpunkt, ,mitten im Wald, treffen wir auf einen älteren Herren mit einem acht Gang Cityrad ('Wie ist der bitte hier hoch gekommen?!'), fröhlich erzählt er uns, dass er gerade vom Pilze sammeln käme. Er zeigt uns seinen Tachostand und erzählt, dass er dieses Jahr schon fast 4000km durch Siebenbürgen geradelt sei. Das Radfahren würde ihm seit er Rentner ist sehr Freude bringen. Wir sind beeindruckt und verabschieden uns und geniessen die rauschende Abfahrt nach Barghis. Dort besichtigen wir ein schön eingerichtetes Priesterhaus. Was wäre dies nur für eine Kulisse für ein Horrorfilm!, im stark überwucherten Garten des Hauses setzen wir uns auf eine alte Bank und essen und unsere Sandwiches. Im Anschluss begutachten wir die stark zerfallene und überwucherte Kirchenburg des Ortes, im Innenraum der Kirche scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, alles ist voller Spinnenweben und der knarzende Holzfussboden ist übersäht mit Scherben der bunten Kirchenfenster. Im Anschluss schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren weiter in Richtung Agnita. Unser Gruppe wird von einer bedrohlichen dunkelen Wolkenfront verfolgt und wird treten daher flott in die Pedale. Kurz vor dem Wolkenbruch erreichen wir Agnita und trinken einen leckeren Cappuccino und lauschen dem Regenprasseln. Nach etwa einer Stunde lässt der Regen nach und wir fahren weiter nach Stejarisu. Dort beziehen wir schöne Zimmer im evangelischen Gemeindezentrum. Es gibt ein köstliches Abendmahl und wir sitzen noch lange zusammen.

45km  
17.06.2015

Stejarisu - Shischora (30km) – Zugtransfer zurück nach Sibiu


Leider ist das Wetter heute nur mäßig und wir laufen in Regenkleidung rüber zum Speisesaal des Gemeindehauses. Die leckeren Marmeladen wecken unsere Lebensgeister und wir sitzen so gegen 10 Uhr auf dem Sattel und verlassen das Dorf. Die grauen Regenwolken verstärken die triste Atmosphäre des kleinen Sachsendorfes. Gemächlich radeln wir nach Shischora wo ich mich von den anderen Reisenden verabschiede und den Zug zurück nach Sibiu nehme. Die Bahnstrecke wird anscheinend gerade neu gebaut. Dies ist jedoch auch wirklich nötig denn für die knapp 100 km braucht der Zug etwa 3,5 Stunden! In Sibiu beziehe ich ein schönes Zimmer im Hotel am Ring. In der Stadt ist die Hölle los, da dieses Wochenende das internationale Theaterfestival stattfindet. Sehr interessante Theatergruppen aus ganz Europa zeigen ihre Performances auf den öffentlichen Plätzen der Stadt.

30km  
18.06.2015 Rückflug    
  Gesamtstrecke: ca 400km  


Kontakte:

  • http://cyclingromania.ro/, mircea@cyclingromania.ro , er bietet schöne geführte und auch individuelle Touren an.
  • In Sibiu bietet Alex sehr gute Räder zum Verleih an (http://inchirieribiciclete.eu/en/bike-rental-sibiu/)

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